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Johanniskrautöl - Wirkung & Anwendung (Gegen Narben, Neurodermitis, etc.)

Johanniskrautöl - Wirkung & Anwendung (Gegen Narben, Neurodermitis, etc.)

Johanniskrautöl, (Hyperici oleum), auch als Rotöl im Handel, ist bisher wenig bekannt. In der Hausapotheke leistet es jedoch Erstaunliches. Es eignet sich zur Einnahme gegen eine ganze Reihe von Beschwerden ebenso wie zur äußerlichen Anwendung: Hier reicht das Einsatzgebiet von der Hautpflege über Umschläge und Einreibungen bei diversen Leiden bis Behandlung von Verbrennungen, Wunden und Narben.

Wichtig zu wissen: Beim Johanniskraut-Rotöl handelt es sich um ein Öl, das sich sehr leicht mit einfachen Mitteln selbst herstellen oder besser, ansetzen lässt. Die korrekte Bezeichnung für dieses angesetzte Öl ist Mazerat. Es ist nicht zu verwechseln mit den ätherischen Ölen, die sich nur durch aufwändige Verfahren wie Pressung, Extraktion oder Destillation herstellen lassen. Natürlich enthalten die Blätter des Johanniskrauts einen Anteil an (extrahierbarem) ätherischem Öl.

Das destillierte ätherische Öl aus dem Johanniskraut enthält kein Hypericin mehr, verfärbt sich also auch nicht mehr rot, verfügt aber über einen großen Teil der heilenden Eigenschaften des Johanniskrauts. Es eignet sich auch gut als Essenz für Duftlampen, wie sie in der Aromatherapie Verwendung finden. Im folgenden Kapitel geht es jedoch ausschließlich um das Mazerat, das Johanniskraut-Rotöl mit der typischen Farbe, das sehr leicht aus frischem Johanniskraut und hochwertigem, kalt gepresstem Öl angesetzt werden kann.

Johanniskrautöl hat eine lange Tradition

Johanniskrautöl ist seit Urzeiten als Heilmittel bekannt. Wegen der typischen roten Farbe setzten die Menschen es stets in Beziehung zum „Lebenssaft“, dem Blut. Im Volksmund sind viele geheimnis- und bedeutungsvolle Namen wie „Johannisblut“, „Herrgottsblut“ oder auch „Elfenblut“ bekannt. Die Tradition reicht bis zurück in die Zeit der Kelten und Germanen: Die fünfzackigen gelben Blüten erinnerten an ein Druiden-Emblem, die rote Farbe an das Blut des germanischen Gottes Odin.

Die löchrigen Blätter des Hyperikums wiesen auf einen Bezug zu Wunden und Verletzungen hin – dabei handelt es sich um Austrittsdrüsen für das ätherische Öl im Hyperikum perforatum, das in der Tat einen Teil der heilkräftigen Wirkung ausmacht.

Tatsache ist, dass Johanniskrautöl sich über die mystisch-magischen Deutungen hinaus lange vor der wissenschaftlich abgesicherten Schulmedizin als ein starkes und verlässliches Heilmittel erwiesen hat.

Die Anwendungsgebiete des Johanniskrautöls

Johanniskrautöl Produkt

Johanniskrautöl kann überall dort angewendet werden, wo auch der Extrakt, Tees oder homöopathische Zubereitungen helfen: Die Einnahme des Öls wirkt ebenso als Antidepressivum oder beispielsweise auf die Anregung von Galle und Leber. Sein Spektrum erstreckt sich aber auch auf

Äußerlich angewendet, hat sich das Öl bewährt als Massageöl, als Bade- oder Shampoo-Zusatz, als Desinfektionsmittel, für die Zubereitung von Umschlägen

Johanniskrautöl bei Verletzungen, Verbrennungen und Narben

Bei der Behandlung von Verletzungen hat Johanniskrautöl eine sehr lange Tradition: Generell wirkt die Anwendung bei Verletzungen aller Art sowie bei Verbrennungen schmerzlindernd. Johanniskrautöl wirkt obendrein antibakteriell und eignet sich daher sogar zur Erstversorgung von Wunden.

Die zusammenziehende (adstringierende) Wirkung bringt nicht nur kleinere und Kapillar-Blutungen zum Stillstand. Sie verhindert auch die Bildung von Eiter. Effektiv wirkt Johanniskrautöl gegen Narben und die Bildung von „wildem Fleisch“. Auch nach einer Operation eignet sich Johanniskrautöl vorzüglich zur gezielten Narbenbehandlung: Es fördert die Heilung und lässt Nähte und Narben fast buchstäblich verschwinden.

Eines der bekanntesten Anwendungsgebiete des Johanniskrautöls sind Brandwunden: Die akuten Schmerzen klingen rasch ab. Die verbrannten Hautareale regenerieren sich nachweislich bis zu dreimal schneller als anders behandelte Brandverletzungen und hinterlassen ein Minimum an Narben. Weil besonders Kleinkinder im Haushalt oft trotz aller Vorsicht Gefahr laufen, sich zu verletzen, Töpfe mit heißem Inhalt ins Kippen zu bringen und sich dabei zu verbrühen oder Brandblasen zuzuziehen, ist Johanniskrautöl in der Hausapotheke ein Segen: Unfälle dieser Art erlauben damit eine schnelle und effektive Erstversorgung.

Quetschungen oder Verletzungen an nervenreichen Körperstellen, beispielsweise den Fingerkuppen, sind oft ganz besonders schmerzhaft: Hier ist Johanniskrautöl buchstäblich die beste erste Hilfe, weil es den Schmerz lindert und damit für Entspannung sorgt. Auch hier greift wieder die Bezeichnung von „Arnika für die Nerven“.

Die entzündungshemmende Wirkung bei Wunden und Verletzungen

Der Grund, warum Johanniskrautöl unbedenklich bei offenen Verletzungen anwendbar ist, sind seine entzündungshemmenden und desinfizierenden Eigenschaften: Sie verhindern Infektionen und die Bildung von Eiterherden, die wiederum den Körper buchstäblich vergiften und eine Heilung verzögern könnten. Außerdem lässt sich so oft sogar der Einsatz von Antibiotika vermeiden und verhindert die Entstehung unschöner Narben.

Bei Operationen oder dem Ziehen von Zähnen tut das Johanniskrautöl gute Dienste – hier kann es innerlich angewendet werden, und zwar vor ebenso wie nach einem Eingriff, um Schmerz-Spitzen zu vermeiden, zur Narbenbehandlung und um die Heilung zu fördern.

Vorbeugende Hautpflege in der Schwangerschaft

Hebammen empfehlen Johanniskrautöl in der Phase der Geburtsvorbereitung: Werden Vaginalbereich und Damm regelmäßig mit dem Öl massiert, kräftigt sich die Haut und das Gewebe wird geschmeidig. In vielen Fällen lässt sich so ein Dammriss während der Geburt vermeiden – sollte es dennoch dazu kommen oder der Arzt vorsorglich einen Dammschnitt ausführen, erfolgt die Heilung sehr viel schneller.

Johanniskrautöl lindert Bauchweh und Magen-Darmbeschwerden wie Reizdarm

Sowohl äußerlich als auch innerlich kann Johanniskrautöl bei Schmerzen und Beschwerden des Magen-Darmtraktes helfen. Die entzündungshemmende Wirkung macht sich auch bei angegriffener Magen- oder Darmschleimhaut wohltuend bemerkbar: Dazu muss das Öl eingenommen werden. Die antibakteriellen Eigenschaften helfen, Fäulnisprozessen im Darm und einer ungünstigen Darmflora zu Leibe zu rücken. Die schmerzstillende Wirkung kommt auch bei Leber-Gallen-Beschwerden oder Gastritis zur Geltung. Ergänzend dazu helfen Massagen im Nabelbereich, schmerzhafte Koliken aller Art unterstützend zu behandeln.

Eine angeschlagene Psyche verstärkt häufig bestimmte Krankheitsbilder oder zeigt sich in einigen Fällen vermehrt über körperliche Symptome, wie etwa Reizdarm, Gastritis und andere unangenehme, schmerzhafte Verdauungsbeschwerden. Johanniskrautextrakt ebenso wie das Öl helfen dann in beide Richtungen – indem sie kurzfristig schmerzhafte Zustände lindern, langfristig Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht bringen und das Nervenkostüm im den Alltag stabilisieren.

Johanniskrautöl gegen Altersflecken oder Pigmentstörungen

Das getüpfelte, löchrige Johanniskrautblatt enthält Stoffe, die auf die Haut heilend, glättend und ausgleichend wirken. Obwohl auch das mit Öl angesetzte Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht, ist es als Pflegemittel in der Lage, Pigmentstörungen insbesondere in den Wechseljahren oder während einer Schwangerschaft, Sommersprossen oder Altersflecken entgegenzuwirken.

Auch wer unter dunklen Ringen unter den Augen leidet, kann durch Betupfen mit dem Öl ein frischeres, wacheres Aussehen herbeiführen, weil sich die betroffene Haut auf diese Weise aufhellen lässt.

Johanniskrautöl zur Hautpflege und gegen diverse Hauterkrankungen

Johanniskrautöl eignet sich vorzüglich zur Gesichts- und generell zur Hautpflege sowie zur effektiven Behandlung von Hauterkrankungen.

Häufig ist davon auszugehen, dass eine überempfindliche, unreine, entzündete oder allergisch reagierende Haut auch negativ und bedrückend auf die Psyche wirkt und oft sogar zu Schüchternheit, innerem Rückzug und schlechtem Selbstwertgefühl. Umgekehrt spiegelt die Haut wieder, wenn sich ein Mensch nicht wohl fühlt. Das kann während der vielfältigen Umwälzungen in Körper und Seele in der Pubertät oder der Menopause der Fall sein, aber auch in vielen anderen Lebenssituationen: Hier kann Johanniskraut doppelt helfen, das Wohlbefinden wieder herzustellen: Indem es nicht nur die Haut heilen lässt, sondern auch für mehr Ausgeglichenheit sorgt.

Johanniskrautöl gegen Neurodermitis

Johanniskrautöl gegen Neurodermitis ist eine Art Geheimtipp: Die Erfahrung zeigt, dass viele Patienten damit eine Linderung der akuten Beschwerden erreichen. Einige Hersteller bieten bereits Produkte speziell zur Pflege der Haut bei Neurodermitis an, bei der der Wirkstoff Hypericin herausgefiltert wurde, um die Lichtempfindlichkeit nicht noch heraufzusetzen. Im selbst hergestellten Mazerat gelangt allerdings das gesamte Wirkstoff-Spektrum von Johanniskraut gegen Neurodermitis zum Einsatz: Es hilft, den Teufelskreis der beständig juckenden, hyper-empfindlichen, schuppigen und trockenen Haut zu durchbrechen.

Insbesondere bei Kindern und Babys ist es wichtig, den Schüben der Neurodermitis die Spitze zu nehmen: Die kleinen Patienten leiden normalerweise sehr und versuchen sich beständig zu kratzen.

Muskel-, Nerven- oder Gelenkschmerzen klingen mit Johanniskrautöl ab

Wer hatte nicht schon mit Ischias, Zerrungen, Verrenkungen zu kämpfen? Erkrankungen, die mit Nervenschmerzen einhergehen, wie Neuralgien oder Gürtelrose, reagieren sehr gut auf Umschläge oder vorsichtige Massagen mit Johanniskrautöl, je nach Art der Beschwerden.

Muskel- und Gelenkprobleme, rheumatische Schmerzen und Steifheit sowie Verspannungen in Schultern und Nacken können ebenfalls mit Johanniskrautöl behandelt werden. Die Beweglichkeit stellt sich rascher wieder ein, die Schmerzzustände durch entzündete oder gereizte Nerven nehmen spürbar ab.

Als wohltuend und entspannend wird auch stark wärmeerzeugende Wirkung des Öls an den betroffenen Stellen empfunden. Selbst Migräneattacken oder Spannungskopfschmerz lassen sich häufig durch Nackenmassagen mit Johanniskrautöl nachweislich die Spitze nehmen. Der Wärme-Effekt ist auch nutzbar für die Massage notorisch kalter Füße oder bei Bauchschmerzen. Ein Zusatz von Lavendelöl beispielsweise verstärkt diese Wirkung noch.

Das Rotöl kann auch für die Haare benutzt werden

Johanniskrautöl, insbesondere auf der Basis von Oliven- oder Mandelöl, eignet sich vorzüglich für kosmetische Zwecke, für die Haut ebenso wie für die Haare. Das Rezept ist denkbar einfach: Einige Tropfen des Öls werden mit dem Shampoo zur normalen Haarpflege vermischt oder als Packung verwendet. Dieses kräftigt die Haare bis in die Wurzeln und intensiviert die natürliche Farbe. Braunes Haar erhält einen kastanienartigen Schimmer mit leichtem attraktivem Rotstich.

Einmassieren von Johanniskrautöl in die Kopfhaut wirkt ausgleichend: Die Talgproduktion harmonisiert sich, die Haare werden weniger fettig, und stark nach und sehen länger gepflegt aus.

Stärke für die Nerven

Johanniskraut entfaltet seine Kräfte nicht nur, wenn der Extrakt eingenommen wird. Das Mazerat unterstützt die antidepressive, beruhigende und die Psyche stärkende Wirkung der Inhaltsstoffe auch über die Haut.

Da eine ganze Reihe körperlicher Beschwerden die Folge starker seelischer Belastungen oder Depressionen sein kann, lässt sich mit Hilfe von Johanniskraut so manches Übel direkt an der Wurzel bekämpfen: Ischias oder „Hexenschuss“ beispielsweise ist allzu oft das Resultat starker Anspannung. Gleiches gilt für viele Arten von Kopfschmerzen und Migräne. Bei täglicher Anwendung ist es allerdings wichtig, auf eventuelle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie auf die erhöhte Photosensibilität der Haut zu achten. Die stabilisierende Wirkung des Johanniskrauts auf die Seelenverfassung und die Nerven lässt sich übrigens auch in der Aromatherapie nutzen.

Johanniskrautöl fürs Baby

Häufig wird empfohlen, Johanniskraut-Präparate bei Kindern erst ab 12 Jahren einzusetzen. Doch gibt es gegen die Verwendung von Johanniskraut-Öl bei den Kleinsten eigentlich keine vernünftigen Gründe. Zum einen wird niemand einen Säugling intensiver Sonneneinstrahlung aussetzen: Die Baby-Haut verfügt nämlich naturgemäß erst etwa ab dem dritten Lebensjahr über einen Schutzmechanismus gegen UV-Licht. Zum anderen wirkt das Johanniskrautöl so schnell und effektiv gegen typische Baby-Beschwerden wie

dass es von kaum einem anderen Mittel dabei übertroffen wird und die kleinen Patienten sich im Handumdrehen besser fühlen. Zur beruhigenden und schmerzlindernden Massage bei Blähungen oder Einschlafstörungen ist das Öl ebenso gut geeignet wie zum tröpfchenweisen Einnehmen.

Die Wirkung ist durch wissenschaftliche Studien bewiesen

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Die Wirksamkeit des Johanniskrautöls ist durch Erfahrungsberichte aus vielen Jahrhunderten dokumentiert und durch moderne wissenschaftliche Studien bestätigt. Dass die aktiven Inhaltsstoffe in ihrer besonderen Zusammensetzung über eine ganze Reihe bemerkenswerter Eigenschaften verfügen, wurde in neuerer Zeit in vielen Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen dokumentiert.

Die kurzfristige oder gering dosierte Anwendung von Johanniskraut-Produkten (Extrakt oder Öl) auf der Haut ist bezüglich der Lichtsensibilisierung (Phototoxizität) vollkommen unbedenklich, wie die Erfahrung belegt. Dies ist auch einem Memorandum zur Bewertung von Kosmetik-Bestandteilen aus dem Jahr 2012 zu entnehmen (Washington, USA).

Eine Nachfolgeuntersuchung des gleichen Instituts aus dem Jahr 2014 dokumentiert nochmals die Ungefährlichkeit und Nützlichkeit des Johanniskrautöls, speziell seine antibakteriellen, entzündungshemmenden Eigenschaften.

Hat Johanniskrautöl Nebenwirkungen?

Leichte Nebenwirkungen sind bei Johanniskrautöl möglich, aber selten. Die Wechselwirkungen mit einer Reihe von Medikamenten gleichen denen, die bei der Einnahme von Johanniskrautextrakt oder Tee auftreten können: Vorsicht gilt also für alle Patienten, die beispielsweise immununterdrückende, blutdrucksenkende oder blutverdünnende Arzneien einnehmen: Hier wird die Wirkung durch Johanniskraut stark eingeschränkt. Auch eine Abschwächung von hormonellen Verhütungsmitteln kann eintreten.

Mit derartigen Wechselwirkungen ist allerdings erst zu rechnen, wenn über ein bis zwei Wochen hinaus eine erhöhte Konzentration der Wirkstoffe im Blut nachweisbar ist. Im Zweifelsfalle sollte der Arzt befragt werden.

Wer jedoch keine weiteren Medikamente einnimmt oder das Johanniskrautöl nur kurzfristig gegen akute Beschwerden benutzt, muss keinerlei Bedenken haben. Die Erfahrung zeigt, dass eventuelle Nebenwirkungen milde sind, nach einer Anwendungspause sofort abklingen und bei erneutem Einsatz eventuell gar nicht mehr auftreten.

Die richtige Anwendung von Johanniskrautöl

Innerliche Anwendung

In der Regel sollte eine Einnahme von ein bis zwei Esslöffeln Johanniskraut-Rotöl pro Tag genügen, um die gewünschte therapeutische Wirkung zuverlässig zu erzielen.

Äußerliche Anwendung

Die äußerliche Anwendung ist in vielerlei Weise möglich: Das Öl kann mit weiteren Essenzen und Kräutern angereichert und zu beruhigenden, entspannenden Massagen oder in der Aromatherapie verwendet werden. Tropfenweise aufgetupft oder vorsichtig verteilt wirkt es bei wunder Haut oder Verletzungen, sachtes Einreiben lindert und heilt Verbrennungen, beispielsweise auch Sonnenbrand.

Etwa 50 ml auf ein Vollbad ergeben ein entspannendes, wohltuendes Bad. Obendrein kann es zur Haarpflege in die Kopfhaut einmassiert werden wie eine Packung oder tröpfchenweise dem Shampoo beigegeben werden.

Johanniskrautöl selber machen – So geht's

Johanniskrautöl lässt sich relativ einfach selber machen. Eine Vorsichtsmaßnahme, die es zu beachten gilt: Das Kraut, die Blüten und Samen-Kapseln oder -Knospen müssen trocken geerntet und noch am Tag der Ernte frisch verarbeitet werden. Andernfalls beginnt das Öl zu schimmeln und ist damit verdorben.

Und auch beim Sammeln des heilkräftigen Krautes entscheiden nicht nur treffsichere botanische Kenntnisse – denn andere Varietäten von Hyperikum verfügen nicht über die erwünschten heilenden Eigenschaften. Auch der Standort ist wichtig: Echte Bio-Qualität gedeiht nur dort, wo nach Möglichkeit weder Kunstdünger noch Pflanzenschutzmittel hingelangen.

Verwendet werden entweder die oberen, blühenden Teile oder die gesamte Pflanze: Sie werden zerkleinert oder abgepflückt und in ein helles, hygienisch sauberes Glas gegeben. Das kann ein Gurken- oder Einmachglas sein. Dieses wird dann bis zum Rand mit einem kaltgepressten Öl aufgegossen, bis es vollständig davon bedeckt ist, der Behälter wird dann mit einem Stück Mull abgedeckt. Stehen sollte die Öl-Mischung an einem warmen Ort. Nach einigen Tagen sollte sie mit einem Korken oder anderen dichten Verschluss verschlossen und, besonders wichtig, bis zu sechs Wochen lang in die Sonne gestellt werden. Dabei sollte sich die typische rote Farbe bilden, von der das Johanniskraut-Rotöl seinen Namen hat. Diese Farb-Entwicklung ist der sicherste Hinweis darauf, dass die biologisch wirksamen Inhaltsstoffe jetzt freigesetzt sind.Ist dieser Punkt erreicht, wird der Inhalt der Flasche sorgfältig abgeseiht und zur weiteren Aufbewahrung auf dunkle Flaschen gezogen.

Dieses Öl lässt sich aus spät geerntetem Johanniskraut samt Samen-Kapseln ebenso gut herstellen wie aus frischen Blüten. Eine besonders starke Mischung ergibt sich, wenn das Öl im Sommer zur Hauptblütezeit angesetzt und später nochmals spät geerntetes Kraut und Kapseln dazugegeben werden.

Ein moderneres und schnelleres Rezept verlangt nach einem Mixer oder Pürierstab: Mit diesem wird das Kraut zusammen mit dem Öl vor dem Abfüllen zerkleinert. Wer mehr Geduld hat, erwärmt diese Mixtur im Wasserbad und lässt es etwa drei Stunden lang bei konstanter Hitze ziehen. Kochen darf die Mischung jedoch nicht.

Johanniskrautöl selber machen – Die Mischung mit anderen Ölen

Für eine wirkungsvolle Öl-Mischung gilt es, die frischen Blüten und das jeweils gewählte Öl in einem Mengenverhältnis von etwa 1:4 anzusetzen. Je nach Zweck der Verwendung bieten sich unterschiedliche Bio-Ölsorten an: Heilsam für die Haut sind dabei Lavendel-, Lein- oder Sanddornöl und potenzieren die gewünschte Wirkung.

Sesamöl ist der geeignete Trägerstoff des Johanniskrauts zur Schmerzlinderung oder gegen nervöse, entzündliche Magen- oder Darmbeschwerden. Kürbiskern- oder Schwarzkümmelöl tun dem Magen gut, Weizenkeim- oder Mandelöl sind die richtige Basis für das Johanniskraut, wenn Hautprobleme anstehen: Unreinheit, Akne, Neurodermitis, allgemein wunde oder überempfindliche Haut.

Die Haltbarkeit von Johanniskraut-Öl ist abhängig von der verwendeten Öl-Sorte. Nach dem Ansetzen und vorsichtigen Dekantieren (gefiltertem Abfüllen) in dunkle Flaschen sollten diese an einem kühlen Ort, nicht unbedingt in Nähe einer Heizung aufbewahrt werden. Stellt sich ein ranziger Geruch ein, ist das Träger-Öl gekippt, hat also ein Übermaß an Terpenen gebildet und sollte entsorgt werden. Bei ordnungsgemäßer Aufbewahrung hält sich das Rotöl im Durchschnitt etwa ein Jahr lang.

Darauf müssen Sie achten, wenn Sie Johanniskrautöl kaufen möchten

Online-Händler, Reformhäuser, Drogeriemärkte oder Apotheken bieten Johanniskraut-Rotöl flüssig oder in Form von Kapseln an. Wichtig ist, dass als Basis kaltgepresstes hochwertiges Bio-Öl verwendet wurde. Je nach Zubereitungsart und eventuellen Zusätzen riskieren einige Menschen mit Allergien gegen diese Substanzen Nebenwirkungen – beispielsweise gegen eine Reihe ätherischer Öle. Daher empfiehlt es sich, den Beipackzettel gründlich zu studieren. Gekaufte Produkte werden in der Regel gründlich auf eventuelle Schadstoffe überprüft: Die Chance, solide und gesunde Bio-Qualität zu bekommen, ist damit recht hoch.

Besser Johanniskrautöl in flüssiger Form oder als Kapseln kaufen?

Wer Johanniskraut nicht selbst herstellen kann oder möchte, der kann eine ganze Reihe von geeigneten kosmetischen oder medizinischen Produkten kaufen. Art und Zweck der Verwendung bestimmen die Darreichungsform.

Johanniskrautöl als Bestandteil der Hausapotheke gegen allerlei akute Zipperlein, Verspannungen, Verletzungen, Sonnenbrand, Verbrennungen oder entzündliche Hauterkrankungen ist die flüssige Form optimal und bedarfsgerecht äußerlich wie innerlich einsetzbar. Zum Einnehmen eignet sich dabei selbstverständlich nur reines Johanniskrautöl ohne weitere Zusätze, wie für Massagen oder Packungen üblich.

Für viele Anwendungsgebiete ist das regelmäßige Einnehmen einer bestimmten Dosis der Johanniskraut-Wirkstoffe entscheidend: In diesem Falle empfiehlt es sich, Kapseln zu kaufen, die entweder den Extrakt oder das Öl (Mazerat) enthalten: Sie haben den Vorzug, homogen zu sein, das heißt, die Kapseln enthalten jeweils die gleiche Menge an Wirkstoffen. So lässt sich die Arznei perfekt dosieren.

Fazit: Johanniskraut-Rotöl darf in der Hausapotheke nicht fehlen

Johanniskraut-Rotöl hilft, innerlich wie äußerlich angewendet, gegen so viele akute Leiden, und löst vor allem bei kurzfristiger Anwendung so selten Nebenwirkungen aus, dass es in keiner Hausapotheke fehlen sollte. Die Anwendungsgebiete sind überraschend vielfältig, und die positiven Erfahrungsberichte reichen buchstäblich von der Antike bis in die aktuelle Zeit. Insbesondere wenn Kinder im Haus sind, eignet es sich vorzüglich zur Erstversorgung – sei es bei Magenschmerzen, Blähungen, bei offenen oder stumpfen Verletzungen, bei Verbrennungen oder wunder Haut.

Erwachsenen hilft es obendrein bei vielen entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen. Johanniskrautöl wirkt Entzündungen, Schmerzen und Verspannungen entgegen, erzeugt wohltuende entspannende Wärme und übt auch über die Haut seinen segensreichen Einfluss auf die Psyche aus. Zudem eignet es sich durchaus auch zur innerlichen Anwendung: Wer das Öl selbst ansetzt anstatt es zu kaufen, kann über die Zusammensetzung bestimmen und reines Bio-Johanniskrautöl auf der Basis kalt gepresster, gut verträglicher und wertvoller Öle herstellen.

Hintergrundwissen: Das sind die Stoffe, die dem Johanniskrautöl seine Wirkung geben

Wie beim Extrakt oder Aufguss (Tee) wirken die Inhaltsstoffe der Pflanze auch im Öl, dazu kommen noch einige weitere Effekte besonders bei der äußerlichen Anwendung zur Geltung.

Die einzelnen Substanzen wirken ganz offensichtlich wie bei vielen pflanzlichen Heilmitteln nicht isoliert, sondern in der Kombination, die die Natur vorgibt. Die Hauptwirkstoffe sind:

Hypericin: mit einem Anteil von bis zu 0,3% auf dem Höhepunkt der Blütezeit vertreten. Dazu kommen noch einige Pseudohypericine, dem Hypericin ähnliche Substanzen, die etwa 0,2% ausmachen. Diese sind vermutlich verantwortlich für die antibakterielle und antivirale Wirkung, die Lichtsensibilisierung und deren Konsequenzen.

Hyperforin: Dieser sekundäre Pflanzenstoff ist mit insgesamt 2% einer der Hauptbestandteile des Johanniskrauts und findet sich vor allem in den Blüten. Er hat nicht nur antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung. Dazu bindet er sich an eine ganze Reihe von Rezeptoren im Gehirn sowie an einige Enzyme. Betroffen sind vor allem die Rezeptoren für diverse Neurotransmitter: Noradrenalin, Gamma-Amino-Buttersäure, Dopamin und Serotonin. Damit erhöht sich die verfügbare Menge dieser Hormone zwischen den Nervenenden. Dies hat eine beruhigende und harmonisierende Wirkung auf das Schlafverhalten, die Stabilität der Nerven, sowie auf Antrieb, Lebenslust und Stimmung.

In der chemischen Zusammensetzung erinnert es an Hopfenbitterstoffe, die bekanntlich eine beruhigende Wirkung ausüben.

Flavonoide: Darunter sind die gelben Farbstoffe Quercetin und Quercitrin – Pflanzen schützen sich mit ihnen vor UV-Schäden. Die Heilwirkung resultiert aus ihrer Wirkung auf den Serotonin-Stoffwechsel, auf ihre antiviralen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Zusammen mit Hypericin stellen sie eine mächtige Waffe gegen depressive Verstimmungen und Depressionen dar.

Gerbstoffe oder Tannine: Nachweislich haben sie eine gewebe-verdichtende Wirkung (adstringierend) und bilden eine Art Schutzschicht auf Schleimhäuten. Dieser Effekt verhindert auch das Eindringen von Krankheitserregern. Selbst Entzündungsprozesse oder kleinere Blutungen kommen mit ihrer Hilfe zum Stillstand.

Entsprechend helfen sie gegen viele Magen-Darmbeschwerden, Durchfälle, Schleimhautentzündungen und beschleunigen die Wundheilung. Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften können Tannine auch Schadstoffe wie Schwermetalle neutralisieren helfen.

Xanthone, unter ihnen die Polyphenole, entfalten im Organismus ihre Aktivität als wirkungsvolle Radikalfänger. Einige von ihnen können sogar das Wachstum von Krebstumoren aufhalten. Entsprechende Forschungsprojekte sind im Gange.

Ätherisches Öl: Der Duft des extrahierten (destillierten) Öls aus dem Johanniskraut erinnert etwas an Zitrone. Sein Anteil in der Pflanze liegt zwischen 0,1 und 0,3%. Terpene und ähnliche Stoffe darin tragen zur entzündungshemmenden Wirkung bei, zudem unterstützt es die Wundheilung und das Wachstum neuen Gewebes. Bei Schock- oder Schmerzzuständen nach Verletzungen oder Unfällen wirkt es ähnlich lindernd wie Arnika – Naturheilkundler bezeichnen es denn auch als das „Arnika der Nerven“. Dieses ätherische Öl ist natürlich auch im (angesetzten) Rotöl enthalten.

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