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Studien rund um Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut ist heute eine der am besten erforschten Arzneipflanzen. Ihre Anwendung hat zudem eine sehr lange Tradition in der Heilkunde. Dies ist ein guter Grund für den Ehrgeiz der Pharmakologen dem Geheimnis der verschiedenen Inhaltsstoffe nachzuspüren. Mittlerweile gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Zusammenspiel der biologisch aktiven Substanzen eine wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen und sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken.

Die hier aufgeführten Studien sind nur Beispiele für aktuelle, wichtige Forschungsergebnisse. Allein die Liste bisheriger Hypothesen, Laborversuche und klinischer Tests zu den verschiedenen Untersuchungsgebieten würde Bücher füllen: Johanniskraut wird auch in Zukunft noch einige (heilsame) Überraschungen bereithalten.

Studien rund um die Wirkung von Johanniskraut gegen Depression

Zur Verwendung von Johanniskraut gegen Depressionen existieren sehr viele Studien und klinische Tests, die die Wirkung beweisen. Hier nur einige Beispiele:

Dr. Prof. Dr. med. Volker Faust von der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Gesundheit veröffentlichte 1997 einen umfassenden Artikel über die wachsende Bedeutung von Johanniskraut bei der Behandlung auch schwerer Depressionen, dokumentiert durch mehr als 40 verschiedene Studien. Zudem erläutert er im Artikel, dass die Einzelwirkstoffe im Johanniskraut in diesem Zusammenhang nicht isoliert, sondern zusammen wirken.

Eine Studie von 1999 (Josey, Takett), durchgeführt an der Universität von Georgia, USA, untersucht eine Vielzahl von Berichten über klinische Tests und und Erfahrungen mit Johanniskrautpräparaten bei verschieden-gradigen Depressionen. Hyperikum wurde dabei als effektiv und sicher in der Anwendung klassifiziert.

2001 wurde am Maudsley Hospital in London, UK (Whiskey, Werneke, Taylor), eine Studie zu Johanniskraut durchgeführt – seine Effektivität bei der Behandlung von Depressionen, aber auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Gegenanzeigen wurden systematisch erfasst.

Dass Johanniskraut-Präparate auch in schweren Fällen etablierte Antidepressiva in ihrer Wirkung übertreffen können, bewies eine Studie von 2004 am Massachusetts General Hospital, Boston, USA, (Fava et alii). Die Wirkung von Fluotexin wurde mit der von Johanniskraut verglichen. Die Studie bestätigt: Johanniskraut wirkt besser.

2009 belegte eine australische Studie (Sarris, Kavanagh, School of Medicine, The University of Queensland) die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Behandlung mittelgradiger Depressionen.

Eine aktuelle Studie (Oktober 2016) mit Hyperikum perforatum wurde in Israel durchgeführt und publiziert: Während pharmakologische Antidepressiva zwar die Depression eindämmen, aber oft zu Müdigkeit und Benommenheit führen, berichten viele Patienten über Johanniskraut das Gegenteil: Mit der Einnahme von Johanniskraut hatte sich ihre Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit verbessert und sie waren den Anforderungen des Alltags wieder sehr viel besser gewachsen. Die Forscher (Ben-Eliezer, Yechiam) stellten bei Versuchstieren fest, dass Hyperikum in der Lage ist, die kognitiven Fähigkeiten entscheidend zu verbessern.

An der Universität Melbourne, Australien, befassten sich im Jahr 2014 Wissenschaftler (Pirotta et alii) mit der Frage, warum Patienten sich so häufig selbst ein Johanniskrautpräparat gegen Depressionen verordnen: Zahlreiche positive Erfahrungen bestätigten sich bei näherer Untersuchung.

Johanniskraut gegen Angstzustände

2011 belegte eine indische Studie (Husain, Chatterjee et alii, Banaras Hindu University, Varanasi) die Wirksamkeit von Johanniskraut gegen Angstzustände, die an Depressionen gekoppelt sind. Besonders interessant dabei: Die Versuchstiere im Test litten an Diabetes mellitus Typ 2. Unter Einfluss von Hyperikum verringerten sich nicht nur die Angst-Symptome, auch der Blutzuckerspiegel schien sich zu harmonisieren. Künftige Untersuchungen könnten nachweisen, dass dieser Mechanismus auch bei Menschen eintritt.

Johanniskraut gegen nervöse Unruhe bei Kindern

In Wien befasste sich ein Expertenteam mit der Anwendung pflanzlicher Heilmittel bei Kindern, die an nervöser Unruhe und Angstzuständen aufgrund von agitierter Depression litten. Die 2013 publizierte Studie (Trompetter et alii) dokumentiert, dass sich hier Johanniskrautextrakt gut bewährt hat. Die Versuchsgruppe bestand aus 115 Kindern im Alter zwischen sechs und 12 Jahren. Bei vielen von ihnen waren die Beschwerden bereits seit zwei Jahren aufgefallen. Fast 94% der Probanden waren nach Studienabschluss beschwerdefrei, zeigten wieder normales Sozialverhalten, waren nicht mehr depressiv, zeigten weder Schul- und Prüfungs- noch sonstige Ängste und hatten ihre Schlafstörungen überwunden. Alle hatten die Medikation – Pflanzenextrakte aus Baldrianwurzel, Johanniskraut und Passionsblume, hervorragend vertragen. Eine bemerkenswerte Alternative gegen den Einsatz von Psychopharmaka bei Kindern.

Johanniskraut in der Menopause

Hitzewallungen und andere körperliche, PMS-ähnliche Symptome: Seit alter Zeit ist Johanniskraut auch ein Mittel, das bei Frauenleiden, insbesondere in den Wechseljahren, gern verordnet wurde. Auch hier beweisen Studien, wie beispielweise 2010 im Iran durchgeführt (Abdali et alii), dass sich die Lebensqualität betroffener Frauen wesentlich verbessert, wenn sie eine Zeitlang ein Johanniskraut-Präparat anwenden.

Neuro-protektive Eigenschaften von Johanniskraut

An der portugiesischen Universität von Minho, Portugal, wurde 2016 ein Forschungsbericht (Oliveira et alii) publiziert, der die neuro-protektiven Eigenschaften von Johanniskraut und seinen Inhaltsstoffen unter die Lupe nimmt. Bei Schlaganfällen, Alzheimer oder Parkinson verlieren die Zellen des Zentralnervensystems teilweise ihre Fähigkeiten, sich zu regenerieren. Der Alterungsprozess, oxidativer Stress oder Stoffwechselprozesse leisten diesem Problem noch Vorschub. Die Studie beleuchtet, wie die einzelnen Inhaltsstoffe von Johanniskraut auf unterschiedliche Weise in den Gehirnstoffwechsel, die Verfügbarkeit von Neurotransmittern und auf diverse Rezeptoren im Zentralnervensystem einwirken und es funktionsfähig halten. Um dieses schützende Potential insbesondere für degenerative Gehirnerkrankungen gezielt nutzen zu können, sind allerdings noch weitere Studien notwendig.

Johanniskraut: Hilfreich gegen Migräne

An der Universität Florenz erprobten Wissenschaftler (Galeotti et alii) 2013 erfolgreich den Einsatz von Johanniskraut-Extrakt bei Migräne – auch hier greift Hyperikum in bestimmte Abläufe im Gehirnstoffwechsel sein und wirkt schmerzlindernd und entspannend.

Johanniskraut bei Hauterkrankungen

Im Jahr 1998 forschten Dr. Christoph Schempp und Prof. Dr. E. Schöpf von der Hautklinik der Universität Freiburg über die Photosensibilisierende und immunmodulierende Wirkung von Johanniskrautcreme und -Öl.

Fazit der Studie: Johanniskrautsalbe oder auch –öl sind hilfreich bei allen entzündlichen Prozessen der Haut, Verbrennungen, Wunden, Hauterkrankungen verschiedenster Art. Eine überzogene Photosensibilisierung (vor der im Zusammenhang mit Johanniskraut stets gewarnt wird) tritt nicht ein. Im Gegenteil: Pigmentierungs-Probleme lassen sich mit Johanniskraut-Präparaten eher lösen oder verringern, Entzündungen oder Rötungen werden unterbunden oder geheilt, nicht etwa provoziert. Auch die Immunreaktion angegriffener Hautareale wird vor allem bei Verwendung von Johanniskraut-Rotöl angeregt.

Johanniskraut gegen Neurodermitis

Nicht nur die Pflege der Haut ist bei Neurodermitis wichtig zur Vorbeugung und Behandlung zwischen den „Schüben“ der Autoimmunerkrankung. Nachweislich hilft Johanniskraut auch gegen den Juckreiz und fördert die Heilung. Im Test bewies das Team um Dr. Schempp in Freiburg (2002), dass über 75% der Probanden deutliche Besserung ihrer Neurodermitis-Symptome verzeichneten.

Johanniskraut gegen Schmerzen

Naturheilkundler bezeichnen Johanniskraut als das „Arnika der Nerven“ – auch in Bezug auf seine schmerzstillende Wirkung bei allen Arten von Verletzungen. Diverse Studien (beispielsweise von C. Raak et alii, Zentrum für Integrative Medizin, Universität Witten, Herdecke, 2012), befassten sich bereits mit diesem Thema. Das schmerzstillende Potential wurde bislang bedingt bestätigt, bedarf aber noch weiterer Untersuchungen.

Antibakteriell und heilend

Am Lahore College für Frauen der Universität Pakistan, Lahore, beleuchtete im Jahr 2011 ein Team die antibakteriellen Eigenschaften von Hyperikum perforatum (Sadigge et alii). Die altbekannten Heilkräfte bei allen Arten von Verletzungen und Verbrennungen wurden in der Untersuchung erstmals exakt in Zusammenhang mit den verschiedenen Inhaltsstoffen des Johanniskrauts gebracht und bestätigt.

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